|
Im Jahr 2003 wurde von der Arbeitsgruppe Graureiher des Vereins ProRing e.V.
und der Beringungszentrale Hiddensee ein "Länderübergreifendes Farbmarkierungsprogramm Graureiher"
ins Leben gerufen. Dieses Projekt ist mittlerweile vom Länderbeirat der Beringungszentrale in das offizielle Arbeitsprogramm aufgenommen
worden.
Hintergrund ist die erfreulich positive Bestandsentwicklung des Graureihers in Deutschland, welche in letzter Zeit mehrfach
zu kontroversen Diskussionen zwischen Fischereiwirtschaft, Jägerschaft und Naturschutz führte. Um eine sachliche
Argumentation zu führen, fiel auf, dass es an fundierten Kenntnissen und Daten zur Populationsökologie des Graureihers
mangelt. Untersuchungen zum Zugverhalten liegen viele Jahre zurück. Daher kann heute ein eventuell verändertes Zugverhalten
nicht sicher belegt werden. Die unzureichende Datenmenge hat ihre Ursachen u. a. in der relativ geringen Anzahl der Beringungen,
andererseits in einer deutlich gesunkenen Wiederfundquote, welche wohl vorwiegend auf die Verminderung der Bejagung des
Graureihers in Europa zurückzuführen ist.
Ziel unseres Programmes ist die Sammlung von Daten zur Populationsdynamik, wie
Bruterfolg, Dispersal und Ansiedlungsverhalten von Jungvögeln, Dismigration, Mortalitätsraten
und Todesursachen.
Diese Aussagen sind nur zu treffen, wenn ausreichende Wiederfunddaten vorliegen.
Neben der Steigerung der Beringungszahlen an sich erfolgt nun eine Markierung der Ringvögel mit individuellen Farbringen,
welche die Identifizierung der Ringträger aus größerer Entfernung zulässt. Dadurch können über gezielte Ablesungen wertvolle
Daten gewonnen werden. Neben der Beringung sollen in den Kolonien Bestandszahlen und Bruterfolge ermittelt werden. Das
Programm ist für vorerst fünf Jahre vorgesehen und bezieht sich auf Deutschland, vorwiegend aber auf die neuen Bundesländer. Bisher
arbeiten 14 Beringer bzw. Beringergruppen aus Schleswig-Holstein, Brandenburg, Niedersachsen, Sachsen, Sachsen-Anhalt
und Thüringen am Programm mit, weitere sind herzlich willkommen. Um möglichst viele Ablesungen zu erhalten, wird eine
umfassende Information der ornithologischen Kreise erfolgen.

Im Rahmen des Projektes ist außerdem eine Auswertung der bisher vorliegenden Wiederfunde ostdeutscher
Graureiher vorgesehen.
Zu Beginn der praktischen Beringungsarbeit im Pilotjahr 2003 hatten wir einige Rückschläge zu verkraften. Leider waren die Schilfkolonien,
wo ein Beringen der Graureiher sehr einfach ist, nahezu verwaist. So wurde in Thüringen eine Kolonie mit 30 Horsten wegen stark
fallenden Wasserstandes vollständig verlassen. Insgesamt wiesen die meisten Brutkolonien in Thüringen und Sachsen-Anhalt geringere
Brutpaarzahlen als in den letzten Jahren auf. In Brandenburg und Sachsen verlief die Beringungsarbeit deutlich erfolgreicher.
Insgesamt konnten im Jahr 2003 von unseren Mitarbeitern 144 nestjunge Graureiher beringt werden. Der interessanteste Wiederfund, der von diesen Vögeln eintraf, war der Reiher
mit dem grünen Farbring X63. Dieser Vogel wurde am 05.05.2003 in Brandenburg/ Havel nestjung beringt und bereits am 26.06.2003 an den Rieselfeldern Münster, 335 km
westlich vom Geburtsort beobachtet. Bei den Ablesungen beringter Tiere fiel leider auf, dass die Farbringe schnell verschmutzen und somit schlechter ablesbar sind. Daher
werden seit 2004 vorwiegend weiße Ringe mit schwarzer Schrift verwendet. Die Beringungen im Jahr 2004 konnten dank der wertvollen Erfahrungen des Vorjahres
und der Gewinnung neuer Mitarbeiter auf etwa 500 gesteigert werden.
Nach dem Rekordjahr 2005 mit insgesamt 726 Farbberingungen kam es leider aus verschiedenen Gründen zu einer deutlichen Abnahme der Beringungszahlen im Jahr 2006. Ursachen sind der
lange Winter und dadurch veränderte Gegebenheiten in den Kolonien, einige Beringer und Beringungshelfer wurden vom Gespenst Vogelgrippe abgeschreckt. Bei anderen scheiterte es an
der freien Zeit. Immerhin arbeiten alle unsere Mitarbeiter rein ehrenamtlich.
Auf der 1.Karte Beringungsorte 2003 bis 2008 sind die bisherigen Beringungsorte mit den jeweiligen Zahlen eingetragen.
Die Chance, einen farbberingen Reiher zu entdecken, ist recht gut, vor allem unweit der Beringungsorte. Mittlerweile liegt eine große Zahl von Ablesungen abseits der Geburtsorte vor,
auch aus Westafrika und erstaunlich viele aus Spanien. Es scheint sich abzuzeichnen, dass ein Großteil unserer einheimischen Reiher weiterhin im August/ September in südwestlicher
Richtung abzieht und im Mittelmeerraum überwintert. Wir können also auf die kommenden Ergebnisse gespannt sein. Die bisherigen Fernfunde sind in der Karte "Wiederfunde ab 10 km"
(2. Karte von links), der Karte "Wiederfunde in Europa" (3. Karte von links) und der Karte "Wiederfunde über 1000 km" (rechte Karte) zu sehen.

Achten Sie auf farbberingte Graureiher! Die Farbringe
werden über dem Intertarsalgelenk angebracht und können mit einem Spektiv aus größeren Entfernungen abgelesen werden. Sie sind grün oder weiß und
tragen einen dreistelligen Code, der mit T, V, X oder Z beginnt. Seit 2010 werden auch weiße Farbringe mit einem vierstelligen Code verwendet, welcher immer mit einem X beginnt.
(siehe Foto).
Bitte melden Sie Ihre Ringablesungen an Dr.
A. Goedecke. Sie bekommen dann umgehend
die Beringungsdaten und die Life history
des betreffenden Vogels zugesandt.
Sie können unsere
Arbeit auch durch projektgebundene Spenden
unterstützen:
Konto-Nr.: 5037957
BLZ: 82070024
Deutsche Bank Mühlhausen / Erfurt
Kontoinhaber: ProRing e.V.
Kennwort: Graureiher
|